Partnerschaften

Die Baniwa

Im Nordwesten des Amazonas, dort wo der Fluss Içana die Grenzen zu Kolumbien und Venezuela verbindet und in den Rio Negro mündet, leben Arawak-sprachige Gemeinschaften, die als Baniwa bekannt sind. In dieser Region säumen Dörfer die Flussufer und Nebenarme – Aiari/Ayari, Cuiari, Cubate – und das Leben folgt dem Rhythmus von Fluss, Bach, überflutetem Wald, Sandpfaden und Waldwegen.

Die Geschichte des Oberen Rio Negro ist geprägt von Begegnungen und Konflikten, von Vertreibungen, Epidemien, extraktiven Wirtschaftszyklen und illegalem Goldabbau. Doch sie erzählt auch eine andere Geschichte: von indigener Organisation, Versammlungen, Schulen, Netzwerken des Austauschs und der Fähigkeit, die eigene Zukunft selbst zu gestalten.

Ernährung und Kultur der Baniwa

Jede Anbaufläche eröffnet einen neuen Horizont. Zunächst wird ein kleines Stück Land gerodet, danach folgt das Pflanzen und die Pflege – Arbeiten, die überwiegend von Frauen ausgeführt werden. Hier entsteht Autonomie: ohne Agrochemikalien, ohne schwere Maschinen, stattdessen getragen von Wissen, Erfahrung und über Generationen weitergegebenen Techniken.

Maniok ist zentraler Bestandteil von Boden und Tisch: als Beiju (Fladenbrot), Farinha (geröstetes Maniokmehl) oder Caxiri (fermentiertes Getränk). Fisch kommt aus dem Fluss, Gewürze aus den Gärten. Essen verbindet Familien, heißt Gäste willkommen und begleitet Festtage. Und in fast jedem Gericht spielt Pfeffer eine Rolle – in Brühen, in Quinhapira (Fischeintopf) oder in geräuchertem Wild, das mit getrocknetem Pfeffer zerstoßen wird.

Diese Art des Anbaus, der Verarbeitung und des Austauschs – von Pflanzen, Werkzeugen und Wissen – wurde 2010 als traditionelles landwirtschaftliches System des Rio Negro anerkannt und ist Teil des kulturellen Erbes Brasiliens.

Pfefferpflanzen und Heiler

Auf den Anbauflächen haben Pfefferpflanzen ihren eigenen Raum. Rote, gelbe, violette Früchte, in unterschiedlichen Größen, mit Namen, die Natur und Alltag widerspiegeln: Mutum-Schnabel, Garnelenarm oder Bleistiftfisch-Schnabel. Insgesamt gibt es mehr als 78 Sorten.

Aus dieser Vielfalt entsteht Jiquitaia: getrockneter, gemahlener und gemischter Pfeffer. Jede Hand übernimmt dabei eine Aufgabe – vom Pflücken über das Trocknen bis zum Mahlen. Jede Mischung bewahrt ihre eigene Farbe, Textur und Schärfe. Die Schärfe tritt kurz und intensiv hervor und macht dann Platz für das Aroma.

Begleitet wird das Essen von Gesängen. In Übergangsritualen entfaltet sich der Pfeffersegen (Kalidzamai) über eine ganze Nacht hinweg – als Verbindung von Erinnerung, Sprache und Gemeinschaft. Erst danach kehrt der Pfeffer zurück auf den Teller, in den Körper und ins gemeinsame Leben.

Die Partnerschaft mit dem Instituto Socioambiental (ISA)

Im Jahr 2005 brachten Baniwa-Frauen das Thema Einkommen in eine Versammlung der OIBI (Organização Indígena da Bacia do Içana) ein. Verschiedene Möglichkeiten wurden diskutiert – Maniokmehl, Titica-Liane – doch die Entscheidung fiel auf etwas, das bereits Teil des Alltags war: Pfeffer.

Die Initiative entwickelte sich Schritt für Schritt in einer langfristigen Partnerschaft zwischen ISA und OIBI. In diesem Zusammenhang ist Pfeffer auch Ausdruck traditioneller territorialer Selbstverwaltung.

Ein zentraler Ort ist das sogenannte „Pfefferhaus“. Hier wird der frisch geerntete Pfeffer verarbeitet: getrocknet, gemahlen, abgefüllt und etikettiert. Gleichzeitig ist es ein Ort des Austauschs, der Verantwortung und der Organisation. Die beteiligten Gemeinschaften lernen gemeinsam den Umgang mit Qualitätsstandards, Verpackung, Lieferketten und Einkommensverteilung. Die Einnahmen fließen sowohl an die Produzentenfamilien als auch an die Organisationsteams.

Baniwa-Pfeffer heute

Heute wird Baniwa-Pfeffer innerhalb Brasiliens und international verwendet, findet seinen Weg in professionelle Küchen und in Produkte von Partnern. Doch er steht für mehr als nur Geschmack: Er trägt die Geschichte von Anbauflächen, Flüssen, Handwerk, Gemeinschaft und Wissen.

In einem Gebiet, das durch illegalen Bergbau bedroht ist, wird Pfeffer auch zu einem Symbol des Bleibens: pflanzen, ernten, verarbeiten, verkaufen – und selbst entscheiden, was bewahrt werden soll.

Wie die Gemeinschaft selbst sagt: Jedes kleine Glas ist wie ein Buch, das geschrieben und in die Welt hinausgetragen wird.